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Interview mit DJ
Baphomet |
vom 09.03.1999 |
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BeatCounter: Hallo Bapho.
Baphomet: Hallo :)
Nach vier Jahren, äußerst erfolgeichen darf
man wohl sagen, muß der Tunnel jetzt ohne Dich
auskommen. Dort hat sich zwar der Hauptteil Deines
DJ-Lebens abgespielt, aber mich würde interessieren
wie Du überhaupt erst dazu gekommen bist, was
hat DJ Baphomet davor so getrieben?
Baphomet: Angefangen mit Musik hab ich etwa 1990.
Der erste interessantere Club in dem ich dann aufgelegt
habe, war der "Opera-House-Club" im Grünspan, so um '94.
Opera war jeden Donnerstag, das ließ einem reichlich Zeit
am Wochenende noch andere Bookings zu machen. Da kommt
man auch schön rum. War eine lustige Zeit. Als der O.-H.-Club
dann die Location gewechselt hat, war es damit für mich
schon fast vorbei. Die neue Location, das Cave (damals
noch Slam), auf der Reeperbahn, war alleine vom Sound
her nicht mit dem Grünspan zu vergleichen, in dem sonst
auch Rockkonzerte gemacht wurden, also ordentlich Power.
Im Cave gab es sogar eine Lautstärkebegrenzung wegen eines
anliegendem Hotels, da kam meiner Meinung nach nichts
Vergleichbares an Stimmung rüber.
Das war das Ende des Opera-House?!
Baphomet: Ja, es gab da noch einige Fehler von
den Veranstaltern die, als sie merkten das es nicht mehr
so lief, zurück in die alte Location wechseln wollten,
welche aber nicht immer frei war und so konnte es sein
das an einem Abend die Hälfte der Leute vorm Grünspan
standen und die andere vorm Cave, weil niemand genau wußte
wo das Ganze nun abging. Klar, das sowas nicht lange gutgeht!
Dann warst Du also praktisch arbeitslos?!
Baphomet: Ja, so ungefähr Irgendwann stand
ich dann mit DJ Hunter, mit dem ich mich sehr gut verstanden
habe, vorm Tunnel und er hat mir den Besitzer vorgestellt.
So kam eins zum Anderen. Zuerst hab ich dann einmal alle
paar Wochen, später jeden Samstag und manchmal Freitags
aufgelegt.
Auf den "Red Light" -Veranstaltungen hast Du
dann versucht einen neuen Sound im Tunnel zu etablieren.
Baphomet: Seit Anfang an habe ich eigentlich versucht
meinen Stil durchzusetzen. Mein Ziel war es immer, daß
wenn die Leute auf den Flyer gucken und "DJ Baphomet"
lesen, genau wissen welcher Sound sie erwartet. Ich wollte
nie nur deswegen Erfolg haben weil ich eine hittige Scheibe
nach der anderen runterspiele, wie sehr viele zu der Zeit.
Alle haben irgendwo versucht Gary D. nachzuahmen, in der
Hoffnung genauso erfolgreich zu werden. Aber "D-Trance"
ist und bleibt eben "Gary-D-Trance". Da kann man nur ein
schlechterer Abklatsch sein. Man sollte versuchen sein
eigenes Ding zu finden, die Hits spielen kann jeder aber
wenn die Leute losschreien wie bei Sven Väth , Miss Djax
oder Richy Horton dann liegt es nicht am Bekanntheitsgrad
der Scheiben, sondern daran wie sie transportiert werden.
Braucht man dafür nicht auch ein ganz bestimmtes
wahrscheinlich eher anspruchsvolles Publikum?
Baphomet: In jedem Fall. Traurigerweise muß man
wohl sagen, daß das Publikum in Köln, Frankfurt oder Berlin
eher für soetwas zu haben ist, als hier in Hamburg. Der
typische Hamburg-Sound wird eben fast in allen Läden strikt
durchgezogen, zum Teil weil die Leute gar nichts anderes
hören wollen. In der Beziehung ist Hamburg anscheinend
ein wenig hinterher.
Noch nicht reif für Dein Sound?
Baphomet: Würde ich so nicht sagen, immerhin hat
sich doch ein richtiges Stammpublikum entwickelt im Tunnel.
Aber ich mußte auch lange dafür kämpfen, meine Musik dort
richtig zu etablieren.
Die Leute kommen also um Deine Musik zu hören,
das ist aber sicher nicht überall wo Du auflegst
der Fall, gerade wenn man in einem "fremden" Club
ist?!
Baphomet: Sicherlich, in dem Fall stelle ich mich
dann auch schon auf die Leute ein, wenn es nicht gleich
so läuft. Aber letztenendes versuche ich sie immer für
meine Musik zu begeistern und mitzureißen.
Wie würdest Du deinen eigenen Stil beschreiben?
Baphomet: Ich lege sehr aus dem Bauch heraus auf.
Ich glaube gerade bei Minimal-House bzw. Detroit-Techno
muß man sehr viel Gefühl investieren. BC: Legendär sind
auch Deine acht oder neun Stunden langen Sets im Tunnel,
wie schaffst Du es, Dich solange zu motivieren und zu
pushen? Baphomet: Wenn ich auflege, dann solange wie es
mir Spaß macht, und das ist keine Floskel ! Die Musik
verknüpft sich in meinem Kopf zu einem langen Seil, und
wenn nicht irgndwann ein Knoten kommt, kann das auch schon
mal acht, neun Stunden so gehen.
Dein längstes Set?
Baphomet: Sylvester im Tunnel. Um zwölf habe ich
da noch kurz angestoßen und dann bis neun durchgeballert.
Da ist man dann schon ganz schön am Ende aber
der Laden war konstant voll und es hat einfach
auch unwahrscheinlich Spaß gemacht.
Was hältst Du von Großveranstaltungen, auf
denen jeder DJ nur anderthalb, zwei Stunden auflegt?
Baphomet: Das ist sicherlich für die Leute eine
interessante Sache, weil sie an einem Abend die Möglichkeit
haben, von vielen verschiedenen Sachen einen Eindruck
zu kriegen. Mehr ist aber für mich auch nicht dran. In
der kurzen Zeit schafft man es sowieso nicht den Leuten
wirklich etwas rüberzubringen. Im letzten Jahr war ich
auf der Goliath, in der Schweiz dabei, bei 25.000 Menschen
und 12 Floors mit 160 DJ's aus aller Welt, ist die Athmosphäre
zwar wirklich außergewöhnlich, aber es nervt halt tierisch,
nach einer dreiviertel Stunde schon den Atem es nächsten
Auflegers im Nacken zu spüren.
Diesem Problem gehst Du ja jetzt geschickt
aus dem Weg, es steht eine Clubtour an, auf der
Du, soweit ich weiß, mit nur einem Support an
den Start gehst!
Baphomet: Genau. Ein Eidgenosse, DJ Andy-Dee, den
ich vor einigen Jahren unten in der Schweiz kennengelernt
habe. Deswegen starten wir auch die Tour in Bern, am ersten
Mai, die Woche danach sind wir in Bruck und in Zürich.
Dann gehts ab nach Neukahlen, das ist in der Nähe von
Rostock ins "Erlebniswelt". Dort bin ich auch vorher schon
ein paar mal gewesen und wollte den Laden deswegen miteinbauen,
obwohl er eigentlich nicht so direkt in die Reihe paßt.
Ich komme durch insgesamt zwölf Städte, mit Locations
wie dem "Dorian Gray" in Frankfurt, dem "Kit-Club" in
Köln oder dem "Rohstofflager" in Zürich, also alles Upper-Class
Läden in denen eigentlich sonst Leute wie Sven Väth oder
Jeff Mills auflegen, das macht natürlich Spaß!
Wieviele Städte sind insgesamt vorgesehen?
Baphomet: Acht in Deutschland und drei in der Schweiz,
mit der Tunnel-Club-Tour waren es zwar noch fünfzehn,
dafür habe ich die Tour diesmal aber auch ganz alleine
organisiert und schon sehr selektiert, was die Clubs betrifft!
Hört sich ausgesprochen vielversprechend an. Unsere
Zeit ist leider schon wieder um, wer Dich einmal live
erleben möchte hat jetzt denke ich reichlich Gelegenheit
dazu.
Vielen Dank Baphomet und bis bald. |
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