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Interview mit DJ
Digress |
vom 20.08.1999 |
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BCM: Digress, man könnte Dich
ja eigentlich als richtiges Multitalent bezeichnen.
Was machst Du neben dem Auflegen eigentlich noch
alles?
Digress: Was heißt Multitalent (lacht),
ich hatte halt das Glück, mein Hobby zum Beruf
machen zu können. Neben dem Auflegen produziere
ich halt noch selber, ich arbeite in Hamburg in
einer Plattenfirma und Promotionagentur und von
Zeit zu Zeit gebe ich DJ-Workshops.
Workshops? Was genau darf man sich darunter
vorstellen?
Digress: Also gerade hier im Norden gibt
es recht viele Jugendzentren, Kulturkreise und
ähnliches, da fahre ich dann hin, nehme ein paar
Platten mit und zeige den Kids mal wie man mixt.
Laut Umfrage äußern mittlerweile an den deutschen
Schulen an die 80 % der Schüler als Traumberuf
DiscJockey. Das Klischee ist ja auch sehr reizvoll,
dementsprechend ist der Andrang auch immer sehr
hoch.
Wie alt sind die Kinder im Durchschnitt so,
die sich von Dir etwas zeigen lassen wollen?!
Digress: Was heißt Kinder, die Jüngsten
sind acht, neun und die Ältesten so achtzehn,
neunzehn, also eigentlich keine Kinder mehr.
Und hast Du dabei vielleicht sogar schon das
eine oder andere Talent entdecken können?!
Digress: Ja, wir haben mal einen Wettbewerb
veranstaltet, in einer Tanzschule hier in Kiel,
da haben vier Jungs mitgemacht, die vorher bei
mir im Workshop waren und einer davon hat dann
tatsächlich gewonnen. Er hat wirklich Tag und
Nacht dafür geübt, mittlerweile mausert er sich
zu einem richtig guten Vocal-House-Jockey, hat
auch schon einige Bookings und mal sehen wie das
weitergeht.
Erinnert Dich das daran wie Du selber angefangen
hast oder war das ganz anders?
Digress: Ich habe so etwa 1988 angefangen
auf Parties Musik zu machen, damals noch mit New
Model Army und Cure. Irgendwann hab ich dann eben
ein paar House-Scheiben in die Finger gekiegt
und damit rumgedaddelt. Das hat mir so gut Gefallen,
daß ich dabei geblieben bin. Anfang der neunziger
habe ich dann die heftige Techno-Phase mitgemacht,
auf verschiedenen Raves und eben meinem damaligen
Resident-Club hier in Kiel, das "ReBase".
Wie bist Du dann nach Hamburg, zu U.S.S. beziehungsweise
zur DJ-Promotion Public Propaganda gekommen?
Digress: Das war damals wirklich reines
Glück. Ich habe mich damals mit meinem Promoter
bei Public Propaganda recht gut verstanden, als
der einen anderen Job in New York angenommen hat,
meinte er, ich hätte das Talent und die richtige
Einstellung den Job zu machen, ich solle mich
einfach bewerben. Und unter 26 qualifizierten
Bewerbern bekam ich dann tatsählich den Zuschlag.
Ich habe dann erst ein Jahr die Betreuung der
500 DJs im Pool übernommen und dann nach und nach
andere Aufgaben. Mittlerweile betreue ich eben
auch den Handel, die DDC, etc....
Du sagtest vorher ja, für 80 % der Schüler
sei Dj der Traumjob. Aus Deiner Sicht, richtig
oder falsch?
Digress: Ich möchte es mal so sagen, wenn
man wirklich nur vom Auflegen bzw. Produzieren
leben kann: Ja, durchaus! Hat man nebenbei noch
einen Job bei dem man Montag bis Freitag und eventuell
noch den halben Samstag im Büro oder sonstwo ist,
dann bedeutet es in jedem Fall viel Stress und
wenig Freizeit. Damit kommt nicht jeder klar.
Wieviele Leute kennst Du, die letztendlich
wirklich gut nur von der Musik leben können?
Digress: Das ist immer so eine Sache, es
gibt schon so einige. Die Voraussetzung dafür
ist natürlich irgendwo auch immer der kommerzielle
Erfolg, im Sinne von Chart-Plazierungen in den
Deutschen Dance- oder den MediaControl-Charts.
Wer viele Platten verkauft, darf mit seinem Namen
dann auch irgendwann mal den Staubsauger in die
Kasse halten. Diejenigen kann man aber eigentlich
an einer Hand abzählen und der Weg dahin ist alles
andere als einfach.
Wo setzt Du zur Zeit und vielleicht mit einem
Zwinkern in die Zukunft, Deine Präoritäten was
den Job angeht?
Digress: Zunächst einmal kommt meine Arbeit,
die mir sehr viel Spass macht, dann das Auflegen
und zu guter Letzt, wenn noch ein bisschen Zeit
übrig bleibt, das Produzieren.
Eine Symbiose aus all diesen Bereichen stellt
ja die DDC-Compilation dar, die Du mitzusammengestellt
hast, die zweite CD gemixt hast und auf der Du
mit Deinem Track "Splendy" selbst auch vertreten
bist. Wird es da auch eine Volume 2 geben?
Digress: Die DDC-Compilation ist als Serie
geplant, soll vierteljährlich erscheinen und wird
beim nächsten Mal auch eine richtige Mix-CD enthalten.
Eine "richtige"?
Digress: Ja, leider wurde bei der Volume
1 aus Versehen der Fehler begangen, alle Titel
bei den Urhebern lediglich als Compilation, nicht
aber als Mix-Lieder anzufragen. Daher mußte ich
auf der Mix CD auf jegliche Spielereien mit den
Songs verzichten und konnte nur aus- bzw. den
nächsten Song reinfaden. Das wird bei der Volume
2 allerdings nicht mehr der Fall sein.
Werden die nächsten Compilations also alle
eine Mix-CD von Dir enthalten?
Digress: Ich habe die Option die ersten
drei CDs zu machen, wie es dann weitergeht wird
auch entscheidend vom Erfolg in den Läden abhängen.
Ich denke aber auch das der Erfolg nicht so sehr
von dem Mix-DJ abhängt, sondern eher davon, ob
die Zusammenstellung der Tracks stimmig ist.
Das dies der Fall war, bestätigt ja zum Beispiel
die Raveline mit ihrer positiven Review der CD.
Digress: Darüber freut man sich natürlich
auch.
Wo hat man in näherer Zukunft mal Gelegenheit
Dich in Action zu bewundern?
Digress: Ich habe zur Zeit zwar keinen
Resident-Club mehr, bin dafür eigentlich in ganz
Deutschland unterwegs, ich war zuletzt gerade
im Nightflight in München, im Toy in Stuttgart,
in Tarp und und und... eigentlich Kreuz und Quer.
Wer allerdings nicht das Vergnügen hat Dich allzubald
in einem Club in seiner Nähe zu hören, den tröstet
hoffentlich der Samstag-Abend-Mix um zehn Uhr
bei N-Joy. Wie steht es sonst, kann man Dich bald
mal wieder kaufen?
Digress: Die nächste Single ist schon so
gut wie fertig, kommt Oktober, November sowas,
und der Titel wird noch nicht verraten.
Streng geheim, was?
Digress: Ja ganz genau. :-)
Na dann! Also, Vielen Dank für Deine Zeit,
Du mußt jetzt auch schon wieder zurück an die
Plattenspieler. Gibt es vielleicht noch etwas,
das Du auf diesem Wege der Welt mitteilen möchtest?
Digress: Ja, bleibt frisch, bleibt locker
und immer schön Samstags N-Joy hören (lacht)!
Was auch sonst?!! (Anm.d.Autors)
Vielen Dank Digress und Bis Bald im Club! |
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