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Als Mitgründer und A&R von Intec Records, genauso wie als wahrer Plattenakrobat hat DJ C1 sich in den letzten Jahren einen großen Namen bei Technofreunden überall auf der Welt gemacht. Jetzt ist eine aktuelle Mixcompilation des Briten unter dem Titel "Shifting Gears" auf Intec erschienen und wenn die Gänge auch ständig gewechselt werden, wird mit Sicherheit nur hochgeschaltet.
BCM sprach mit Ihm über Qualität und Quantität des Lebens in der schwarzen Rille.
Interview mit DJ C1 Februar 2003

Hallo und herzlich willkommen bei Beatcounter.
DJ C1: Oh, vielen Dank, schön dass ich hier sein darf.

Erzähl uns doch vielleicht erstmal ein bisschen über Deinen Background. Wie bist Du zum Auflegen gekommen?
DJ C1: Angefangen hat alles damit dass ich in den mittachtzigern regelmäßig zu vielen wirklichen coolen Underground Events in London ging, Lagerhaus Parties auf denen eine weite Spanne von Sounds zu hören war. Von Elektro über Disco bis hin zu abgefahrenen Electronics. Zu jener Zeit war deutlich zu spüren dass ein neuer Sound im Begriff war aufzutauchen, wir wussten zwar noch nicht genau was, aber das sollte dann unser „Punk“ werden. Dann so um 1988 kam der Acid Sound und übernahm das Geschehen, da wusste ich, das würde es sein. Mein Bruder besaß damals ein Soundsystem, dass er für solche Parties verlieh und ich begleitete ihn oft dorthin. Ich sah die kreativen Möglichkeiten die sich beim Auflegen eröffneten, und da ich von Kindesbeinen an ein großer Plattensammler gewesen war, schien dies für mich die natürliche Weiterentwicklung zu sein. Also fing ich an hier und da ein paar Warmup Sets zu spielen, und daraus ist das geworden wo ich heute stehe. Djing ist genau die Kombination von Kreativität und Live Performance die mich anmacht. Ich kann mir nicht vorstellen das irgendwann einmal nicht mehr machen zu wollen.

Mit dem “Fabric” in London, dem “Row” in Barcelona und dem „Rex“ in Paris hast Du drei Resident Clubs in denen Du spielst. Wie wichtig ist dieser Coming-Home Faktor für Dich und was gefällt Dir an Bookings?.
DJ C1: Der Resident Job ist interessant weil mein ein Verhältnis zur Crowd, der Location und der Soundanlage aufbauen kann, das macht es einfacher auch mal musikalische Risiken einzugehen und etwas neues zu versuchen. Auf der anderen Seite haben Booking-Jobs durchaus auch Ihren Reiz, weiß man dort einfach nie genau was einen erwartet, und das finde ich auch sehr aufregend. Zum Beispiel werde ich bald zuim ersten Mal in Prag auflegen und ich bin sehr, sehr neugierig wie es da wird. Es könnte ein sehr spezieller Abend werden, das weiß man aber immer erst hinterher. Ich denke also mit einer gesunden Mischung fährt man am Besten.

Welche Idee steckt hinter Intec Records und wie ist die Rollenverteilung dort zwischen Dir und Deinem Partner Carl Cox?
DJ C1: Intec steht dafür qualitativ hochwertigen Techno nach vorne zu bringen, den Leuten den Horizont zu erweitern in Bezug auf die Vielfältigkeit der Styles. Ein Künstler wie Beispielsweise Bryan Zentz sollte die Möglichkeit bekommen seine Ideen auf ein Album zu pressen, was bei vielen größeren Labels einfach nicht möglich ist, bei Intec aber als Herzensangelegenheit behandelt wird. Ich betreue als A&R die Künstler bei Intec, was ich in meiner Freizeit neben dem Djing und producen erledigen kann, Carl gehört zwar das Label, man kann sich aber vorstellen, er ist auch relativ viel unterwegs, man wird uns also selten im Büro vorfinden. Die Arbeit die dort zu tun ist überlassen wir auch lieber etwas fähigeren Leuten!

“Shifting Gears” ist eine Mix Compilation die Ihren Titel recht pragmatisch umsetzt.
Wonach entscheidest Du welche Platten Du dabei haben möchtest und wie Du sie arrangierst?
DJ C1: Ich habe selber viele Mix CDs von DJs die ich respektiere, ich höre sie mir aber selten mehr als einmal an. Es ist recht einfach ein Kracherset einzuspielen, mir fehlt dabei aber der Performance-Gedanke und eben diesen hatte ich im Hinterkopf als ichmein Konzept für „Shifting Gears“ aufgestellt habe. Ich wollte ein breites Spektrum großartiger Musik präsentieren und gleichzeitig meinen eigenen stil verwirklichen. Das schwierigste dabei ist die Auswahl der Tracks, denn es gibt nicht so wenige, sondern so viele fantastische Platten da draußen, wahrscheinlich um die fünfzig die ich hätte benutzen wollen. Zuletzt legte ichmich aber auf ein Dutzend Songs fest und wahr ausgesprochen zufrieden, dass ich diese auch alle verwenden konnte. Der Mix ist in einem Take aufgenommen, also nicht nacheditiert wie es bei vielen Compilations Usus ist, um einen rohen und originellen Sound mit vielen Ups und Downs zu bekommen, so wie ich ihn auch im Club spiele, die CD ist also sehr repräsentativ für mich geworden.

Fast den ganzen Februar über befindest Du Dich auf „Shifting Gears“ - Tour durch Brasilien. Sechs Gigs sind recht viele, für ein Land das, ich will mal sagen „nicht gerade für seine Technoszene bekannt ist“. Wie kam es dazu?
DJ C1: Tatsächlich ist die Technoszene dort sehr am Aufblühen. Leute wie mein sehr guter Freund Renato Cohen, der nicht nur ein großartiger Produzent sondern auch ein toller DJ ist, lassen es dort seit einiger Zeit immer interessanter werden. Immer mehr internationale DJs legen dort auf, und viele wollen gar nicht mehr zurück. Ich habe für ein paar Jahre regelmäßig in Brasilien aufgelegt, nun hat ein Label aus Sao Paulo namens FNM „Shifting Gears“ gehört und bringt es dort lokal heraus. Diese Tour soll also das Album promoten und ich werde das ganze Land dabei bereisen, was auch immer schon ein Traum von mir war!

Ab März kommt für Dich eine neue Residenz im “The Bomb” in Nottingham dazu. Wird dafür ein anderer Club ganz auf Dich verzichten müssen oder gibt es dann einfach mehr Resident Gigs als Bookings?
DJ C1: Nein, nein. Ich werde immer noch soviele Gigs wie möglich spielen, das “Bomb” liegt mir aber ganz besonders am Herzen. Es ist klein aber der Sound, die Athmosphäre und die Leute sind ziemlich einmalig. Das letzte Mal als ich dort auflegte mixte ich Dub Reggae mit Techno. Es gibt nicht grade viele Clubs wo das funktioniert!

Welche Zukunftspläne gibt es für Intec und natürlich auch Dich persönlich als Künstler?
DJ C1: Nun, Intec wir einfach weiterhin versuchen gute Künstler und gute Musik nach vortn zu bringen, einige neue werden ziemlich bald bereits bei uns erscheinen. Was mich angeht, so bin ich neben dem Auflegen noch fleißig nebenbei im Studio und versuche mich als Produzent, demnach werdet Ihr von mir dann auch so einiges zu hören bekommen. Unter anderem Träume ich davon mit einem Gospelsänger ins Studio zu gehen und ein paar Mellow - Techno Tracks aufzunehmen. Man weiß nie so genau was draus wird ;-)

Dabei wünschen wir Dir natürlich Alles Gute, nicht zuletzt auch für Deine Arbeit beim Label, vielen Dank für Deine Zeit, wir haben so einiges über Dich in Erfahrung bringen können, und so ist es auch schon wieder Zeit für ein paar berühmte letzte Worte?!
DJ C1: Techno is whatever you want it to be.

Vielen Dank!
DJ C1: Ich habe zu danken.

Das Interview wurde geführt und übersetzt
von H. Menz am 16.02.2003

Live-Mix von DJ C1:
Funky Techno-Tunes in One-Hour-Mix direct from London.




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