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Interview mit Markus
Gardeweg |
vom 03.10.2000 |
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Woody, Du kommst grad von der
Bühne, hast gerade am Ende Deines Sets noch
richtig Dein Können blitzen lassen und mit
einigen sehr schönen Scratcheinlagen die
Menge zum Toben gebracht. Ich gehe mal davon aus,
dass Du auch einigen Spass da oben hattest?!
WvE: Natürlich. Ich bin ja schliesslich
DER Entertainer unter den DJs (lacht)! Nein, ganz
im Ernst, es hat wirklich eine Menge Laune gemacht
hier, ich möchte auch immer gerne, dass die
Leute richtig mitgehen und da muss man sich eben
ins Zeug legen!
Wenn ich richtig gehört habe hast Du eben
auch schon Die neue Maxi Deines Projekts "REFLEX"
gespielt. Warst Du zufrieden mit der Reaktion?
WvE: Ja sehr. Hier war heute eine tolle
Gelegenheit die Nummer vor grossem Publikum anzutesten.
Ich habe auch gehört dass einige meiner Kollegen
die Nummer gespielt haben und sehr zufrieden waren.
Was ist das für ein Gefühl wenn Du
Deinen Produktionen zum ersten Mal einer grossen
Masse präsentierst, bzw. andere DJs das tun?
WvE: Ich bin immer extrem aufgeregt. Wenn
andere DJs meine Scheiben auflegen ist das natürlich
immer schon ein recht gutes Zeichen dafür,
dass ich nicht alles falsch gemacht habe. Man
selber ist aber eben nicht objektiv und überschätzt
eine Platte auch schon mal!
Passiert es Dir häufig, dass Du etwas
arrangierst und die Reaktionen so ganz anders
sind als geplant?
WvE: Bisher glücklicherweise nicht (grinst).
Ich gehe mit den Sachen ja auch nicht immer direkt
in den Club. Zuerst kriegen das meine Freunde
und auch die Plattenfirma zu hören, wenn
die Ihr Urteil abgeben kann ich mir in der Regel
sicher sein, dass es auch stimmt!
Wenn es dann unter die Leute geht, spielst
Du Deine eigenen Sachen lieber als die von Anderen?
WvE: Naja, das sind eben meine "Babys"
und es wäre ja ziemlich unnatürlich
wenn ich die nicht mögen würde. Dennoch
spiele ich gerne Platten von vielen verschiedenen
anderen Leuten, um zu sehen wie und warum die
Scheiben ankommen. Auf der einen Seite ist das
ein Lernprozess, um es selber besser machen zu
können, auf der anderen Seite ist es für
mich auch immer noch die Verwunderung über
dieses Phänomen Musik. Wie man mit einer
Bassline und ein paar Highheads die Menschen so
mitreissen kann ist für mich jedes mal wieder
erstaunlich. Ein tolles Gefühl.
Du bist ja mittlerweile schon über, man höre
und staune, 21 (!!!) Jahre im Geschäft und
noch immer scheint es Dir eine unheimliche Freude
zu bringen. Woran würdest Du selber Deinen,
so viele Trends und Styles überstehenden
Erfolg festmachen?!
WvE: Das stimmt schon, ich habe vor 21
Jahren als Kirmes-DJ und bei Hochzeiten und so
weiter mit dem Auflegen angefangen. Jetzt stehe
ich heute hier und lege nach Cosmic Gate und vor
Quicksilver auf, ich kann nicht sagen was, aber
irgendwas muss ich wohl schon richtig gemacht
haben (lacht).
In der Tat! Man muss sich also den "kleinen"
Woody vorstellen wie er 1979 auf einer Hochzeit
aufgelegt hat. Was für Platten hattest Du
damals im Gepäck?
WvE: Eieieiei, lang lang ist's her. So
Sachen wie "Ladies Night" und die ganzen
anderen Discohits, da gab es eben ganz genau wie
heute bestimmte Sachen die die Leute zu hören
erwarteten und die hab ich dann auch gespielt.
Hörst Du heute noch einige Sachen von
damals oder bleibt Dir als DJ, der ja alle neuen
Sachen kennen muss, gar keine Zeit mehr dafür?
WvE: Zeit hätte ich schon noch, aber
ich höre dann lieber andere neue Sachen.
Was soll ich mit der alten verbrauchten Musik,
alt und verbraucht bin ich ja selber schon (lacht).
Genau auf dieses Stichwort hin betritt
eine hübsche Blondine den Flur auf dem
wir uns unterhalten und fängt an mit Woody
zu flirten.
Passiert Dir das oft?!
WvE: Du meinst, dass fremde Frauen einen
einfach so anmachen?! Um ehrlich zu sein schon,
aber die machen ja nicht mich an sondern den "DJ".
Sie kennen mich persönlich ja gar nicht,
mit Groupies habe ich daher nicht viel am Hut.
Tut mir Leid wenn ich da in kein Klischee passe,
aber ich hatte in den letzten 15 Jahren drei Freundinnen,
das kann auch völlig ausreichend sein.
Sprich, Du bist auch jetzt in festen Händen,
soviel ich weiss aber nicht verheiratet?
WvE: Ja, wobei meine jetzige Freundin wahrscheinlich
auch meine Frau werden wird.
Da darf ich natürlich gratulieren. Begleitet
Deine Freundin Dich auf die Veranstaltungen oder
bleibt sie lieber zu Hause?
WvE: Heute ist sie zwar nicht dabei, generell
kommt sie aber schon sehr oft mit, was eigentlich
erstaunlich ist, denn sie mag überhaupt keinen
Techno.
Erstaunlich. Und dann kommt sie, wie Du sagst,
doch so oft mit?
WvE: Ja klar, ich bin halt viel unterwegs,
damit wir uns öfter sehn kommt sie mit und
erträgt den "Krach" eben für
zwei Stunden. Andere Frauen warten acht Stunden
bis ihr Mann von der Arbeit kommt (lacht). Sie
akzeptiert meinen Job und ich ihren Geschmack.
Also privat alles im Lot. Wie steht es denn
beruflich, macht man sich mit 37 auch schon mal
Gedanken darüber was nach dem Auflegen kommt?
WvE: In jedem Fall. Seit drei Jahren baue
ich mein Label "Clubgroove" und einen
eigenen Musikverlag auf. Ich will auf alle Fälle
auch später als alter Tattagereis noch mit
Musik zu tun haben und ich glaube den Wunsch kann
ich mir dadurch erfüllen.
Ich bin mir sicher das kann nur ein Erfolg
werden. Was haben wir in naher Zukunft
denn noch von Dir zu erwarten, vielleicht ein
kleiner Ausblick auf "kommende Attraktionen"?!
WvE: Also im Moiment arbeiten wir gerade
an der neuen Spacekid, die Bad Habbit Boys werden
eine Platte bei uns rausbingen und ich selber
werde auch bis Ende des Jahres einen neue E.P.
produzieren. Dafür habe ich allerdings noch
nicht mal einen Arbeitstitel. Fällt Dir vielleicht
grade was Gutes dazu ein (lacht)??
Würde ich mir nie anmassen da meinen Senf
dazu zu geben, ich denke aber da wird Dir schon
was Gutes einfallen. Vielen Dank erstmal für
die nette Unterhaltung zu später Stunde (der
grosse Zeiger hatte bereits die sechs erreicht!
Anm. d. Red.) und Alles Gute weiterhin!
WvE: Ja, vielen Dank und ebenso ;-)).
Damit verabschieden wir Woody v. Eyden, den
wirklich sympathischen Holländer, ins Hotel. |
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