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Zwei der wohl schillerndsten Paradiesvögel der Techno-Szene und absolute Partygaranten, so könnte man wohl die beiden Holländer Charly Lownoise & Mental Theo am besten beschreiben. Wir trafen die eine Hälfte des symphatischen DJ- und Produzenten-Duos, Charly Lownoise, zum Interview...
Interview mit Charly Lownoise vom 20.11.1999
BCM: Charly L. und Mental Theo, wenn man diese Namen hört denkt man sofort an Happy-Hardcore, tobende Massen, geniale Stimmung und nicht zuletzt an schwitzende und oft sehr leicht bekleidete Körper. Ihr seid sozusagen eine Institution, wenn es ums Feiern geht, wie seid Ihr eigentlich als DJs zusammen-gekommen?
Charly: Das war im Sommer '92. Ich habe damals schon produziert und aufgelegt, Theo war rein als DJ unterwegs. Kennengelernt haben wir uns auf einer Mallorca Revival-Party in Holland wo er ein paar meiner Platten gespielt hat. Als ich ich ihm sagte, daß die Scheiben von mir waren, kamen wir ins Gespräch, er wollte auch schon länger mal was machen und so hab ich ihn einfach mal zu mir, ich hatte damals schon mein eigenes Label, ins Studio eingeladen und einen Monat später war die erste Platte fertig. Wir sind dann '93 viel durch Deutschland getourt, beeinflußt durch den deutschen Rave-Sound haben wir dessen Elemente dann mit unserem typisch holländischen Hardcore gemischt. So ist dann '94 die "Live at London" entstanden, die wirklich überall ein richtig "schmutziger" Hit war.

Sozusagen ein Pflichtstück für Raver. Mit dieser Mischung aus deutschem und holländischen Sound seid ihr dann auf große Tour gegangen.
Charly: Stimmt. In dem Jahr waren wir in Amerika, Australien und eigentlich überall in Europa unterwegs. Unterwegs kam uns dann auch die Idee zu Wonderful Days.

Mit Wonderful Days kam ja auch der kommerzielle Durchbruch.
Charly: Das war der absolute Wahnsinn wie das Ding einschlug! Wir haben '95 alleine 325 Auftritte gehabt. Das heißt jetzt ohne Presse-, Fernseh- und sonstige Promotion-termine.

Mit Euren Videos, Charterfolgen und Euren Shows seid Ihr dann zu regelrechten Superstars avanciert. Im Gegensatz zu manchen anderen kommerziell erfolgreichen Acts habt Ihr es dennoch geschafft, gerade in der Raveszene ein sehr gutes Renomee zu behalten und nicht als Kommerz-K.... abgestempelt zu werden?
Charly: Das kann sein, in Holland ist das witzigerweise genau das Gegenteil gewesen. Da hieß es nur: ja, der C.L. & M.T. das ist voll der Kommerz. Viele Veranstalter wollten uns in der Hardcoreszene auch nicht mehr buchen, obwohl viele Fans uns noch sehen wollten. Vielleicht war da auch ein wenig Eifersucht auf unseren Erfolg mit im Spiel. Und dann kam es ab und zu vor das wir auf Raves waren und die Hardliner der Szene anfingen uns zu dissen oder mit Bier zu beschmeißen, von dem Punkt an haben wir gesagt, in Holland: nur noch Kommerzläden. Die Leute die uns sehen wollen können da hinkommen, wem unser Ding nicht passt kann wegbleiben. In Deutschland war das immer anders. Hier haben wir auf allen Raves nur positive Sachen erlebt, der Sound hat die Leute halt angesprochen und die haben immer gut gefeiert.

Es heißt warscheinlich nicht umsonst "Propheten werden überall erhört, außer im eigenen Land", glaubst Du im übertragenen Sinne trifft das für Euch auch zu?
Charly: Ein anderes gutes Beispiel dafür sind die Klubbheads. Die haben mit ihrem Sound Erfolg in Amerika, Australien, Russland und auch in Deutschland. In Holland sieht man sie vielleicht einmal im Monat, wenn überhaupt. Wir wurden in Holland halt regelrecht aus der Hardcoreszene verstoßen, das ist aber in Ordnung. Wir machen halt weiter unsere Musik und hoffen das es einer Menge Leute gefällt.

Wenn Ihr auflegt, ich spreche da zunächst speziell von Dir, geht Ihr mittlerweile aber auch schon eine etwas weniger härtere Gangart, sprich eher Progressiv. Glaubst Du die Gabber-Zeit ist endgültig vorbei?
Charly: Wie jeder andere DJ entwickele ich mich auch weiter. Auch in Holland gibt es kaum noch richtige Gabber-Parties, eher Trance-Geschichten, vielleicht noch mit einem zusätzlichen Hardcore-Floor. Ich finde man kann seinen Sound nicht zu sehr mischen, wenn man in eine Richtung geht dann sollte man das hundertprozentig tun, zur Zeit mag ich es eben lieber Progressiv.

Heute Abend hast Du, zum Ende Deines Sets hin, ja doch wieder ein paar Klassiker ausgegraben. Gehört "Wonderful Days" immer noch zu Deinem Standard-Repertoire?
Charly: Nein, eigentlich nicht. Nichtsdestotrotz, wenn die Gelegenheit mir passend erscheint, die Leute gut drauf sind, warum dann nicht auch ein paar harte, alte Bretter rauskramen (lacht). Ich glaube das die Leute das zu einem Gewissen Teil auch von uns erwarten.

Es ist wirklich frapierend auffallend, wie positiv die Resonanz jedesmal wieder ist, wenn ein solcher Hit kommt. Woran liegt das Deiner Meinung nach?
Charly: Ich glaube, genau wie ich selbst, hat jeder da draußen seine eigene kleine Erinnerung, die er mit dem Stück verbindet. Mir fallen da Parties ein, wie in der Nürnberger Frankenhalle, die "Mayday" in Helsinki oder die "Nature One". Jeder Fan hat da seine eigene kleine Geschichte und wenn dann zum Beispiel "Wonderful Days" kommt... es ist unglaublich wie die Leute, auch in Holland, immer noch dazu abfeiern!

Du und Theo, Ihr seid irgendwo ja auch die größten Entertainer unter den Plattendrehern. Ihr redet mit den Leuten, feuert sie an, glaubst Du das ist eines Eurer Geheimnisse?
Charly: Ich finde das ist ein ganz wesentlicher Faktor. Früher habe ich auch immer nur da gestanden und vor mich hergemixt, Theo war dann eigentlich derjenige, der zum ersten mal das Mikro genommen und die Leute "angeschrien" hat. Ich habe gesehn wie das ankam und hab mir gedacht, das müssen wir mehr machen, die Leute finden das gut wenn man mit Ihnen redet, ich mache da manchmal auch richtig dreckige Sprüche aber es kommt an. Das ist eben die Sprache der Kids und die Resonanz spricht für sich.

Denkst Du, das man mit Anfeuerung vielleicht auch so ein bißchen die Anonymität der Masse überwindet?
Charly: Ich glaube das ist schon wichtig. Meistens weiß man eben nichtmal wer da oben gerade Musik macht. Das ist bei uns anders. Wir vesuchen immer ganz nah an den Leuten dran zu sein und mit Ihnen zu reden, mitzusingen, zu feiern halt. Ich meine das ist bestimmt einer der wichtigsten Faktoren für unseren Erfolg.

Ist die Musik selber nicht mehr genug Motivation für die Leute. Brauchen sie wirklich diesen Extra-Kick?
Charly: Die Musik selber kann auch sehr gut motivieren, trotzdem denke ich es könnte was bringen die DJs vor ihrem Set anzukündigen, damit man einfach weiß, jetzt kommt mein Lieblings-DJ, jetzt gehe ich tanzen. Das finde ich schon sehr wichtig zu wissen, gerade wo die Jockeys immer mehr zu Stars geworden sind und die Leute oft nur ihretwegen auf diese spezielle Party gehen. Wir bieten diesen Wiedererkennungseffekt und versuchen den Leuten eine gute Show zu liefern.

Eigentlich ist es um Euch in den letzten zwei Jahren sehr ruhig geworden. Ihr wart immer noch jedes Wochenende unterwegs, neue Stücke gab es allerdings nicht?
Charly: Wir brauchten etwas Zeit um uns zu überlegen wie es mit Charly Lownoise und Mental Theo weitergehen soll. Die Happy-Hardcore Zeit ist irgendwie vorbei, irgendwann möchte man auch mal das nächste Kapitel im Buch aufschlagen und weiterlesen.

Was habt Ihr in dieser Zeit so alles getrieben?

Charly: Also Theo moderiert zur Zeit im holländischen Fernsehen eine Show, die nennt sich "The Music Factory" und ist in etwa vergleichbar mit Club Rotation auf Viva. Das macht ihm wirklich Spass und er macht das auch echt gut.

Wie sieht es mit Dir aus, ich könnte mir vorstellen das Du auch schon wieder Sachen produziert hast, von denen "Otto-Normal-Raver" gar nichts weiß?
Charly: Ich habe so einiges an trancigeren Sachen gemacht, F&R Project zum Beispiel, dann einige Sachen die eher in Richtung englischer Progressive Sound gingen, Journey Records, Simple Sounds, sowas halt!

Und andere Acts produzieren, kommt es auch mal vor das Du neuen Leuten mit Deiner Erfahrung unter die Arme greifst?
Charly: Ich gebe schon öfter mal Tips und bin auch gern dabei wenn auf meinem Label was Neues läuft, generell laß ich die Leute aber lieber selber machen, da kommen meistens viel originellere Geschichten bei raus, als wenn so ein "alter Hase" ständig reinredet (lacht)!

Eure Rekonvaleszensphase ist aber jetzt vorbei und es steht eine neue Single ins Haus?
Charly: Ja, im Februar. Endlich!

Der Name ist schon bekannt?
Charly: Ja, kann ich aber noch nicht sagen. Es ist ein Cover, nicht das jemand das jetzt bei Euch liest und sagt, hey, geile Idee, und kommt uns damit zuvor, aber das ganze ist mitproduziert von Pulsedriver und Frank Fritze, den Style kann man sich also ungefähr denken, wird in jedem Fall ein richtig geiles Stück! Am 3. Dezember drehen wir das Video dazu...

Wer Euch kennt weiß, man darf in jedem Fall wieder eine Menge nackte Haut erwarten?!

Charly: Ja na klar, was sonst (lacht). Ganz viele Frauen, die Männer finden das ganz wichtig bei unseren Videos und die Frauen finden wichtig, das wir drin sind , so sind stellen wir alle zufrieden.

Jetzt mit dem neuen Track wieder eine Coverversion, erwartungsgemäß ein Riesenhit, habt Ihr eigentlich auch Ambitionen in der Techno-Szene selber einen gewissen Status einzunehmen oder seht Ihr Euch eher als Pop-Stars?
Charly: Es ist nicht so, daß ich mich jetzt direkt als Techno-DJ sehe der den Underground aufmischt. Ich lege alle zwei Wochen mal auf, weil mir das unheimlich Spaß macht. Wenn die neue Single raus ist geht wieder die ganze Pop-Star Geschichte los, ganz Klar. Dann geht es zu Bravo, Pop-Rocky und der ganzen Scheiße, das sind nicht unbedingt Sachen die uns sehr viel Spaß machen aber von irgendwas möchte man ja auch leben. Das ist eben unser Job, ich bin niemand der jetzt umherzieht und allen erzählt was ich zum Beispiel für tolle Labels habe . Das mache ich nebenher für mich, wenn ich mit Theo unterwegs bin dann tun wir eben was die Fans erwarten, das ist alles!

Ihr tut also was Ihr tun müßt. Der ganze Stress geht jetzt ja wieder los. Freust Du Dich auch ein bißchen auf den ganzen Rummel?
Charly: Sicher hat das ganze auch viele schöne Aspekte. Aber wir haben uns geschworen, nie wieder soviel Stress wie vor drei, vier Jahren. Die ganzen Auftritte und Promotion-Aktionen verlangen eine Menge Disziplin und Kondition. Fast wie in der Armee. Man ist ständig unterwegs und muß dabei immer gut drauf sein...

Fällt es Dir nicht manchmal schwer Dich immer mit bester Laune zu zeigen?
Charly: Nein, eigentlich bin ich so. Klar, es kommt auch schon mal vor das Charly Lownoise einen schlechten Tag hat und richtig Scheiße drauf ist. Aber wie ich schon sagte, da kommt eine Menge Disziplin dazu. Ich weiß eben, daß die Leute bezahlt haben um uns zu sehen und dann haben sie auch das Recht das wir eine gute Show bieten! Deswegen mache ich eben keine Scheiße mit den Fans, einfach alles hinschmeißen, nur weil ich schlecht drauf bin ist nunmal nicht drin.

Natürlich, leidiges Thema, ich weiß, gibt es dann immer die Diskussion um Drogen in der Szene, gerade bei Leuten die immer so wahnsinnig viel Laune und Energie versprühen wie Ihr?
Charly: Das ist richtig. Wer uns aber kennt, weiß daß wir gut Party machen auch wenn wir nur Wasser trinken. Das war zum Teil auch ein Grund warum wir uns von der holländischen Hardcoreszene etwas distanziert haben. Es hat irgendwann einfach keinen Spass mehr gemacht vor lauter zugedröhnten zu Spielen. Die können sich genauso gut eine Pille schmeißen und im Keller vorm Fernseher sitzen, finde ich. Uns geht es darum, dem Publikum eine gute Show zu bieten und ich denke gerade weil sie merken das wir uns nicht vorher mit Chemie vollpumpen müssen, kommen sie dann auch besser drauf. Wir sind in dem Punkt, was die Stimmung angeht, ehrlich zu den Leuten und ich glaube das kommt gut an.

Das glaube ich auch. Wir wollen Dich jetzt auch gar nicht länger von der Party oben fernhalten. Möchtest Du unseren Lesern vielleicht abschließend noch etwas mitteilen?

Charly: Ja klar! Zunächst mal, nicht vergessen im Februar die neue Single zu kaufen (lacht) und ansonsten: Bleibt locker und feiert schön!

Ich denke man darf sich darauf freuen demnächst wieder mehr von Euch zu hören?
Charly: Ich darf vielleicht sogar schon verraten, daß es im nächsten Jahr "Wonderful Days 2000" geben wird, ich habe schon ein paar sehr gute Ideen dafür, mit Sicherheit hitverdächtig !

Davon bin ich überzeugt. Vielen Dank für Deine Zeit, ich hoffe Ihr bleibt weiter so gut drauf und beschert uns allen noch viele tolle Parties!
Charly: Mit Sicherheit!




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