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Hallo Marc, herzlich Willkommen erstmal
bei Beatcounter.
Marc: Hallo.
Mit "You Own the Sound" kommt
im Juni ein Longplayer auf den deutschen Markt,
den man fast als eine Art 'Best Of' Album oder
auch 'Anthology' von Marc et Claude sehen kann,
war das auch so gedacht?
Marc: Es ist eigentlich ein reiner Zufall,
dass das Album gerade jetzt fertig geworden
ist. Unser zehnjäriges wäre ja auch
in dem Sinne schon letztes Jahr im November
gewesen, als wir noch mitten auf Tour waren.
Angefangen habt Ihr als Produzenten also
bereits 1992, wie kamt Ihr eigentlich darauf
mit Musik Euer Geld zu verdienen?
Marc: Der Schritt zum Vollzeit Musik machen,
kam eigentlich mit der Gründung von Alphabet
City bzw. Le Petit Prince, die nach einiger
Zeit so erfolgreich wurden, dass wir uns entscheiden
mussten was die Zukunft bringen sollte. Klaus
war gerade mit dem Studium fertig, ich noch
mitten im Medizin-Studium und als wir die Möglichkeit
sahen allein von der Musik zu leben, fiel die
Entscheidung eigentlich nicht mehr sehr schwer.
Gerade "Le Petit Prince" brachte
zwischen '93 und '95 einige der großen
Stars und Hymnen der Szene hervor. Das fallen
einem Namen wie "RMB", "Microwave
Prince" und natürlich "Marc et
Claude" ein. Die Aufmachung des Labels
war für die Zeit jedoch eher untypisch.
Wie genau kam es eigentlich zu dem "kleinen
Prinzen"?
Marc: Der Gedanke hinter dem Label war
zunächst die Musik, die uns und unseren
Freunden zu machen am Herzen lag. Der kleine
Prinz steht eben wie auch in dem Buch, dafür
etwas mehr von Herzen zu tun als nur mit dem
Verstand. Das sollten zum Beispiel auch unsere
Plattencover mit zum Ausdruck bringen, die immer
verspielt und träumerisch aussahen, im
Gegensatz zu den meisten anderen Labels die
besonders zu der Zeit eher spacig daherkamen.
Die Arbeit am Label "Le Petit Prince"
hat die Künstler Marc et Claude dann anscheinend
eine ganze Zeit von der Arbeit an eigenen Tracks
abgehalten. Wie genau war da die Entwicklung?
Marc: Durch den enormen Erfolg den
wir mit LPP hatten wurde unsere eigene Studiozeit
immer mehr beschnitten, letztenendes so stark,
dass wir ab '94 für gar keine eigenen Produktionen
mehr Zeit hatten. 1997 waren wir dann aber wieder
motiviert genug, dass wir sozusagen den inneren
Schweinehund besiegen konnten und uns einfach
Jürgen Driessen von Important Records geschnappt
haben, ins Studio gegangen sind und "La"
aufgenommen haben.
Mit "La" war der Durchbruch aber
auch noch nicht sofort geschafft. In Deutschland
zunächst ein recht erfolgreiches Trancestück
allerdings ohne weitreichenden Charterfolg.
Wie kam es, dass eben dieses Stück auf
einmal weltweit solche Aufmerksamkeit erhielt?
Marc: Da kann man mit Sicherheit sagen,
dass Ferry Corsten einen entscheidenden Part
spielte. Woran sich die meisten heute schon
nicht mehr erinnern, ist das Trance bis 1997
in England praktisch keinen interessiert hat.
Der enorme Hype ging mit einer Nummer von Ferry
los "Out of the Blue" von System F.,
und bevor diese Single gechartet ist gab es
einen Ferry Corsten Remix von "La"
der auf Positiva gesignt war. Der große
Vorteil wenn man in England einen Hit landet
ist die enorm mächtige Musikpresse, die
nicht zuletzt weil sie englischsprachig ist,
nicht nur in Europa sondern eben auch in Australien,
Asien und den Amerikas Aufmerksamkeit bekommt.
So wurden wir dann eigentlich erst richtig bekannt.
Seit dem konnte man Marc et Claude als DJ-Team
praktisch schon rund um den Globus erleben,
wie stellt sich da Eure Planung für die
Zukunft dar, weiter fleissig touren?
Marc: Bis ins letzte Jahr haben wir immer
alles gemeinsam gemacht, sei es Auflegen, Produzieren
oder Promotionauftritten nachkommen. Klaus ist
mittlerweile zum zweiten mal Vater geworden
und hat sich entschlossen nicht mehr mit auf
Tour zu gehen und der Familie den Vorrang zu
geben. Er ist natürlich weiter im Studio
und bei Lokalterminen dabei, DJ-mäßig
wird Marc et Claude in Zukunft dann allerdings
von mir allein repräsentiert und da ich
dessen auch noch nicht ganz so müde bin
wird natürlich fleissig weitergetourt.
Die Nachfrage nach Tourdates ist ja sicherlich
mit dem großen Erfolg von "I need
your Lovin'" nicht gerade weniger geworden.
Vielen kam diese Nummer noch aus früheren
Zeiten bekannt vor?!
Marc: In der Tat gab es Mitte der
Neunziger diese Nummer als Breakbeatstück
von Baby D., welches auch besonders in England
ein ziemlicher Hit war. Das Original von den
"Korgies", dass wir dann sozusagen
ge-Resampled haben stammte von 1981. Dazu gibt
es auch noch eine nette Geschichte, denn eben
diese Band wurde von Positiva, unserem englischen
Label, dazu überredet mit uns gemeinsam
bei den englsichen "Top of the Pops"
aufzutreten um den Song zu performen, was glaube
ich für alle beteiligten ein Riesenspaß
war!
Auf dem Album gibt es ja diverse Gastvocals,
unter anderem von einer anderen großen
Stimme der achtziger, Tony Hadley von Spandau
Ballet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit,
brauchte es viel Überredungskunst einen
'Edelpopper' für eine Tranceplatte zu gewinnen?!
Marc: Wir alle drei, die wir an der Platte
mitgearbeitet haben, also Klaus, Jürgen
und ich, hatten eine Liste gemacht, mit Namen
von Künstlern mit denen wir einmal gerne
zusammenarbeiten würden. Tony Hadley stand
bei allen drei weit oben und als sich über
einen befreundeten DJ auf Ibiza der Kontakt
ergab, hatten wir uns kaum versehen und saßen
mit ihm im Studio. Was am Ende dabei raus kam,
ist eine interessante und wirklich schöne
Zusammenarbeit.
Eine weiterer Gast auf dem Album war Maria
Nayler, die Stimme von Robert Miles' "One
on One"?!
Marc: Auch ein ganz großer Wunsch,
der uns mit diesem Arrangement in Erfüllung
gegangen ist. Maria hat eine außergewöhnliche,
grazile Stimme, die man unter tausenden heraus
erkennt. Und auch die Tatsache, dass sie bei
der Aufnahme gerade hoch schwanger war (oder
vielleicht auch grade deswegen!) hat ihren stimmlichen
Qualitäten nichts anhaben können.
Eine Tatsache, die alles andere als selbstverständlich
ist, ganz besonders bei Dance Alben, ist das
enthaltene Textbooklet. Man bekommt hier direkt
das Gefühl hier wird nicht enfach nur dahingeträllert,
sondern die Songs haben auch eine Aussage. Wer
schreibt bei Euch die Texte?
Marc: In der Regel schreiben wir die
Texte selber, bei Maria und Tony war das natürlich
noch etwas anderes, die haben an Ihren Texten
selber gefeilt, einem so erfahrenen Künstler
mit einer so prägnanten Stimme etwas auf
den Leib zu schreiben ist lange nicht so einfach,
wie es für ihn selber ist an den passenden
Sound zu kommen. Daher haben wir uns da vornehm
im Hintergrund gehalten.
Das Album als Ganzes gesehen ist überhaupt
sehr facettenreich geraten, das könnte
den einen oder anderen überrraschen der
viellecht ein tranciges Hitalbum erwartet. Hing
die Unterschiedlichkeit der Tracks auch mit
den Gastsängern zusammen oder war das Konzept
von Anfang an darauf ausgelegt einen Rundumschlag
zu machen?!
Marc: Ich würde es keinesfalls als
Rundumschlag bezeichnen. Wir haben viele unterschiedliche
Stücke aufgenommen, einfach auch um möglichst
viele Nuancen unserer Arbeit aufzuzeigen. Es
gibt meiner Meinung nach kaum etwas schlimmeres
als ein Album das nach dem ersten Charthit im
Hauruckverfahren in einem oder zwei Monaten
zusammengezimmert wird und dann in die Läden
kommt. So etwas haben die Leute denke ich auch
schnell wieder satt. An "You own the Sound"
haben wir, wenn man so will jetzt sieben oder
acht Jahre gearbeitet, da kann man glaube ich
schon etwas mehr erwarten. Daher haben wir Stücke
wie "Laserbeam Butterfly" oder "The
History of Acid House" auch besonders ins
Herz geschlossen.
Sollte jetzt jemand befürchten es gäbe
auf dem Album also keinen Marc et Claude Clubsound
zu hören, der irrt natürlich gewaltig?!
Marc: Na klar. Unsere großen Hits
sind natürlich alle mit dabei :)
Und eben die gibt es natürlich auch
zu hören wenn man Dich hinter den Turntables
erwischt. Wann wird man hier in Deutschland
das nächste mal die Gelegenheit dazu bekommen?!
Marc: Um ehrlich zu sein, in nächster
Zeit wohl erstmal nicht. Ich habe noch diverse
Gigs im (vornehmlich warmen und sonnigen
;-)) Ausland und dann gibt es auch erstmal eine
Winterpause in der wir wieder im Studio sind.
Aha, das habt Ihr natürlich geschickt
eingefädelt, denn jetzt müsssen alle
los und das Album kaufen wenn sie Euch hören
wollen ;-)!
Marc: LOL, Genau so ist das gedacht!
Dann bleibt eigentlich nur noch Danke zu
sagen, es war nett mit Dir zu plaudern und Alles
Gute zu wünschen, sowohl hinter den Reglern
als auch Privat!
Marc: Herzlichen Dank!
H. M. am 23.06.2003
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