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Interview mit DJ
Mellow-D |
vom 19.02.1999 |
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BCM: Als kleinen Einstieg, erzähl
doch einfach mal wie du zum Auflegen gekommen
bist.
Mellow-D: Das ist so ein Ding gewesen,
"Papi" hat aufgelegt, irgendwann kommt man dann
mal mit auf die Parties. Einmal in der Woche ist
mein Vater Platten kaufen gegangen und wir haben
dann im Keller Plattenraten gespielt. Irgendwann
hab ich dann eben selber auch angefangen aufzulegen,
auf den ganzen Schulparties und so weiter. Dann
kamen die ersten eigenen Plattenspieler, ein Mischpult
und dann ging das es los...
Wie alt warst Du, als Du das erste Mal richtig
vor Publikum aufgelegt hast?
M: Da war ich dann 13, in einer richtigen
Disco zum erstenmal mit 16.
Das war wo?
M: In der "Carina" in Pinneberg, da war
ich dann etwa fünfeinhalb Jahre!
Recht lange also, wie kamst Du daran?
M: Ich kannte den einen DJ von da, der
ging mit meiner Schwester zur Schule. Ich war
vorher eigentlich noch nie in einer Disco gewesen,
hat mich bis dahin nicht interessiert. Dann hat
mich eine Freundin mal zum Geburtstag dahingeschleppt
und einen Monat später habe ich dann da angefangen.
Am Anfang immer so die erste und die letzte Stunde,
Vor- und Nachprogramm, dann irgendwann mal Urlaubsvertretung
und schließlich hab' ich dann meinen festen Platz
gekriegt.
Zu der Zeit war es mit Trance und Techno aber
noch nicht so weit her?!
M: Damals gab es in Hamburg den "Opera-House"Club
am Donnerstagabend, da fand ich es so geil, daß
mir am Freitag die Schule immer scheißegal war.
Die Sachen, die ich da gehört habe, habe ich mir
dann immer aufgeschrieben. Das kam allerdings
zunächst in der "Carina" überhaupt nicht an. Die
Leute haben erst reagiert, als dann so Sachen
wie "Das Boot" auf den Markt kamen. Die Leute
haben sich langsam daran gewöhnt und irgendwann
hab ich meinen eigenen Mittwoch bekommen. Das
haben wir dann alle zwei Wochen so gemacht...
lief ungefähr ein Jahr lang.
Irgendwann gab es dann ja "Opera-House" nicht
mehr...
M: Ja, dann bin ich immer zur Devil-Mania
(Mittwochs im Voilà, Hamburg - Anm. d. Red.),
eine Freundin von mir war damals mit Gary D. zusammen
und über ihn habe ich angefangen hier einmal im
Monat aufzulegen, dann alle zwei Wochen und irgendwann
als Gary mal nicht konnte, habe ich den Mittwoch
alleine gemacht. Da ist dann die Geschäftsleitung
vom Voilà auf mich aufmerksam geworden und hat
gesagt: "So, ab jetzt machst Du den EFX-Club am
Samstag auch." So habe ich meine zwei bis drei
Termine am Samstag bekommmen und seitdem bin ich
drei Samstage im Monat hier. Das ganze ist jetzt
drei Jahre her.
Du bist ja zwischendurch auch viel unterwegs,
wo würdest Du sagen, war es bis jetzt für Dich
ein besonderes Erlebnis, insofern das die Stimmung
dich als DJ einfach total mitgerissen hat?
M: Also wo ich immer sehr gerne auflege,
ist die "Ziegelei" (Groß Weeden bei Lübeck - Anmerk.
d. Redaktion). Die Stimmung ist dort immer genial
und die Leute lassen sehr viel mit sich machen.
Soll heißen, du kannst praktisch alles spielen
und sie gehen voll mit. Da wird dermaßen am "Rad
gedreht", solche Stimmung habe ich echt selten
erlebt. Was mir dann noch total im Gedächtnis
geblieben ist, weil nach dem Motto: "Mehr geht
nicht!", war eine Party in einer Basketballhalle
in Barcelona. Da waren circa 8.000 Leute die haben
eine Stimmung gemacht, das kannst Du Dir kaum
vorstellen. Dazu muß man vielleicht noch sagen,
das die da unten Mucke hören, von mehr als 165
bpm, das ist schon sehr heftig, es nervt ein bißchen
nach einer Zeit und macht auch nicht wirklich
Spaß aufzulegen, aber die Resonanz des Publikums
ist einfach Wahnsinn. Jedes Lied wird mit Schreien
beantwortet, die Arme werden hochgerissen, die
Leute sind echt Dankbar fürt jede Minute die Du
da auflegst. Dann die Athmosphäre, links und rechts
von Dir tanzen Gogos, dauernd läuft die Licht-
und Pyro Show auf Vollgas... das war richtig der
Hammer.
Du sagst 160 ist Dir zu schnell, man erinnert
sich da aber auch an ganz andere Zeiten, wo sich
Deine eigenen Sachen in genau dem Bereich abgespielt
haben.
M: Richtig, aber man entwickelt sich natürlich
weiter, jeder produziert mittlerweile etwas langsamer,
etwas kompatibler, man möchte eben auch das die
Sachen überall gespielt werden können. Wir im
Norden waren ja lange Zeit unbelehrbar was das
angeht, hier konnte man auch lange noch solche
schnellen Sachen spielen, gerade im "EFX-Club".
Aber alles wird irgendwann langweilig und mann
sollte nicht auf einem Pferd reiten, von dem man
weiß, daß es bald stirbt. Nach und nach produziert
man dann mal etwas anderes, schaut sich hier und
da mal um und merkt das es so auch geht.
Legst Du denn auch so auf wie Du produzierst?
M: Beim auflegen halte ich mich so etwa
bei 135-140 Beats auf. Das reicht bei energiereichem
Trance, so Chillout-Sachen spiele ich selten,
die Leute sollen eben schon richtig pumpen. Am
liebsten habe ich zur Zeit so etwas düstere Sachen,
nicht so ein "Pling-Plong", wo kein Mensch mehr
was mit anfangen kann, aber schon mit Melodie
und Fläche. Richtig monotone Sachen meide ich
auch, außer sie haben wirklich soviel Power,daß
man sich ihnen einfach nicht entziehen kann und
dazu tanzen muß.
Der House-Schiene scheinst Du ja doch wieder
entsagt zu haben, da früher auf deinen B-Seiten
ja immer noch etwas langsamere Sachen dabei waren?!
M: Sicherlich spiele ich beim Warm-up,
etwas früher am Abend auch noch Vocal-House, aber
das beschränkt sich dann eigentlich eher auf die
bekannteren Sachen, die ganzen undergroundigen
Scheiben kaufe ich mir nicht, weil ich sie einfach
so gut wie nie einsetzen kann. Ansonsten nehme
ich mir ab und zu mal ein Tape mit Vocals auf,
das ich beim Autofahren höre kann, da kommt das
schon etwas geschmeidiger als das Brett das ich
im EFX spiele.
Apropos, deine aktuelle Scheibe "PHUTURE VIBES"
geht ja schon eine etwas härtere Gangart?!
M: Ja, wir wollten aber auch schon etwas
in die Richtung machen. Das das ganze, obwohl
es recht schrill geworden ist, soviel Erfolg hat,
hat wahrscheinlich niemanden mehr überrascht als
uns selbst.
Glaubst Du das gerade dieser, etwas aus der
momentan Norm gehende Stil, den Charme der Platte
ausmacht?
M: Auf jeden Fall. Wir bekommen natürlich
aus unserem EDM-Records-eigenen DJ-Pool auch eine
Menge Resonanz, und nachdem wir "PHUTURE VIBES"
rausgeschickt hatten standen die Telefone nicht
mehr still. Der Track ist einfach mal wieder was
ganz anderes und das Publikum giert anscheinend
nach etwas Abwechslung. Irgendwann ist es auch
genug mit den immer gleichen Trance- und Pop-Scheiben.
Der Erfolg gibt Dir sicherlich Recht. Seit
26.02.99 Platz neun bei den Media Control Charts,
dazu herzlichen Glückwunsch!
M: Ja, Danke, ist schon krass (lacht).
Wer hätte das gedacht.
Eine Follow-Up Single ist schon geplant?
M: Ist auch schon fertig, wird noch ein
bißchen härter werden und "MISTERY IN SPACE" heißen.
Da werden dann drei Mixe von mir und noch drei
Remixe dabei sein, von wem kann ich allerdings
noch nicht sagen und sie wird so Anfang April
etwa in die Läden kommen.
Die Remixe von "Phuture Vibes" werden ja auch
bereits recht erfolgreich gespielt. Mit wem hattest
Du da zusammengearbeitet?
M: Kai Tracid hat einen gemacht und Tom
Wax einen anderen, die werden auch recht häufig
eingesetzt, obwohl die meisten doch eher das Original
spielen.
Wie sieht es denn da in Deinem eigenen Set
aus, spielst Du sie noch selber?
M: Wenn es sich irgendwie vermeiden läßt
nicht, denn ehrlich gesagt hängt sie mir mittlerweile
schon ein bißchen zum Hals raus. Aber wenn Du
irgendwo von einem fremden Veranstalter gebookt
wirst erwarten die Leute das schon irgendwo, und
dann spiel ich sie auch gerne.
Haben wir in näherer Zukunft eventuell auch
mit "Mellow-Trax" als Live-Act zu rechnen?
M: Also denjenigen, die bis jetzt hier
angefragt haben konnte ich nur sagen, daß es den
Act "Mellow-Trax" auf der Bühne nicht gibt. Aber
man kann mich als DJ buchen und das machen dieVeranstalter
dann in der Regel genauso gerne, denn zumindest
die Assoziation mit dem Lied ist ja gegeben. Wir
hatten ja für die Club-Rotation schon etwas zusammengestellt,
damit war die Polydor nicht so hundertprozentig
zufrieden, das werden wir also noch etwas fortführen
müssen, insbesondere im Hinblick auf "Top-of-the-Pops",
was ja jetzt auf uns zukommt. Wenn das gut ankommt
und Nachfrage bestehen sollte, dann werden wir
uns auch über eine Agentur vermitteln lassen;
das wird dann aber so aussehen das im Vordergrund
wirklich nur die Tänzer stehen und ich nur zum
Auflegen dabei bin.
Eine konkrete Clubtour ist also nicht in Aussicht?
M: Nein, wie gesagt, mal sehen was sich
nun aus der Tanztruppe ergibt, das ganze ist ja
so ein bißchen auf Ninja getrimmt und wenn das
ganze gut aussieht und Nachfrage besteht wird
es vielleicht eine Clubtour geben, dann aber definitiv
ohne mich im Hintergrund!
Und persönlich, als DJ eine Tour?
M: Nein, also ich muß auch ehrlich sagen,
ich wundere mich immer wieder über Leute die irgendwann
eine Single rausbringen und dann auf große Clubtour
gehen, dabei im Grunde Werbung für sich selber
machen und dafür auch noch einen echten Schweinekurs
verlangen, obwohl sie vorher noch nie groß aufgelegt
haben. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Ich werde zwar im Moment auch sehr viel gebucht
aus dem Süden und besonders aus dem Osten, aber
ich biete mich nirgendwo direkt selber an. Ich
bin jetzt bei zwei Booking Agenturen, die die
ganze Abwicklung für mich machen, was echt eine
Menge Arbeit spart und es ist de Fakto auch so,
daß ich im Moment wirklich regelmäßig in andere
Bundesländer komme was vorher nicht so der Fall
war und das ist echt schön.
Wo wird man dich in naher Zukunft überall erleben
können?
M: Demnächst ist die "Energy" in Zürich,
die "Schweizer Mayday", darauf freue ich mich
schon sehr, und dann noch viele andere Parties
so im zweitausend-Gäste-Bereich quer durch Deutschland.
Ich spiele dann zum Teil auch auf der "Trance-Nation-Tour"
mit, in Zwickau, Aschersleben, Stuttgart und München,
eventuell auch noch Ibiza auf der Abschlußveranstaltung
der Trance-Nation, wo eigentlich alle DJ's die
auf der Tour gespielt haben nochmal auftreten
sollen.
Sicher auch eine nette Erfahrung. Deinen Resident-Posten
im EFX-Club wirst Du aber weiter behalten?!
M: Natürlich, das ist meine Heimat und
hier könnte ich auch gar nicht weg, selbst wenn
ich wollte.
Stellt der EFX für Dich immer noch eine Herausforderung
dar, oder würdest Du sagen es ist gerade wegen
der vertrauten, gleichbleibenden Stimmung so schön?
M: Es ist in jedem Fall jedes Wochenende
neue Spannung da. Der EFX-Club entwickelt sich
natürlich auch weiter, genau wie ich selbst, und
man kann sich nicht einfach ans Pult stellen und
jeden Samstag stur dassselbe Programm runterreißen,
dafür sind die Leute zu sensibel. Wenn du Mist
machst gehen die einfach von der Tanzfläche und
ignorieren Dich. Aber wenn Du sie langsam warmmachst,
dann brauch es irgendwann nur die eine richtige
Scheibe und es geht richtig ab. Wenn man die Leute
soweit hat, dann kann man ihnen so gegen vier,
halb fünf noch ein richtiges Brett vorsetzen und
sie gehen sofort voll mit. Ich denke auch die
gleichbleibend hohen Besucherzahlen im EFX sprechen
da eine deutliche Sprache, daß wir auch irgendwo
was richtig machen.
Das klingt in jedem Fall sehr begeistert. Ich
hoffe und wünsche Dir, das Dich in Zukunft immer
diese Begeisterung begleitet, und natürlich auch
der Erfolg mit Deinen eigenen Produktionen nicht
ausbleibt. Das war es schon mit unserem kleinen
Gespräch. Danke schön und alles Gute.
M: Ja danke, das gebe ich natürlich gerne
zurück. |
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