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DJ Mellow-D (26) ist Resident- DJ im EFX-Club in Hamburg und mit seinem Projekt "Mellow Trax" und der Maxi "Phuture Vibes" zur Zeit äußerst erfolgreich in den Dance Charts und sogar auf Platz 9 in den Media Control Charts.
Interview mit DJ Mellow-D vom 19.02.1999
BCM: Als kleinen Einstieg, erzähl doch einfach mal wie du zum Auflegen gekommen bist.
Mellow-D: Das ist so ein Ding gewesen, "Papi" hat aufgelegt, irgendwann kommt man dann mal mit auf die Parties. Einmal in der Woche ist mein Vater Platten kaufen gegangen und wir haben dann im Keller Plattenraten gespielt. Irgendwann hab ich dann eben selber auch angefangen aufzulegen, auf den ganzen Schulparties und so weiter. Dann kamen die ersten eigenen Plattenspieler, ein Mischpult und dann ging das es los...

Wie alt warst Du, als Du das erste Mal richtig vor Publikum aufgelegt hast?
M: Da war ich dann 13, in einer richtigen Disco zum erstenmal mit 16.

Das war wo?
M: In der "Carina" in Pinneberg, da war ich dann etwa fünfeinhalb Jahre!

Recht lange also, wie kamst Du daran?
M: Ich kannte den einen DJ von da, der ging mit meiner Schwester zur Schule. Ich war vorher eigentlich noch nie in einer Disco gewesen, hat mich bis dahin nicht interessiert. Dann hat mich eine Freundin mal zum Geburtstag dahingeschleppt und einen Monat später habe ich dann da angefangen. Am Anfang immer so die erste und die letzte Stunde, Vor- und Nachprogramm, dann irgendwann mal Urlaubsvertretung und schließlich hab' ich dann meinen festen Platz gekriegt.

Zu der Zeit war es mit Trance und Techno aber noch nicht so weit her?!
M: Damals gab es in Hamburg den "Opera-House"Club am Donnerstagabend, da fand ich es so geil, daß mir am Freitag die Schule immer scheißegal war. Die Sachen, die ich da gehört habe, habe ich mir dann immer aufgeschrieben. Das kam allerdings zunächst in der "Carina" überhaupt nicht an. Die Leute haben erst reagiert, als dann so Sachen wie "Das Boot" auf den Markt kamen. Die Leute haben sich langsam daran gewöhnt und irgendwann hab ich meinen eigenen Mittwoch bekommen. Das haben wir dann alle zwei Wochen so gemacht... lief ungefähr ein Jahr lang.

Irgendwann gab es dann ja "Opera-House" nicht mehr...
M: Ja, dann bin ich immer zur Devil-Mania (Mittwochs im Voilà, Hamburg - Anm. d. Red.), eine Freundin von mir war damals mit Gary D. zusammen und über ihn habe ich angefangen hier einmal im Monat aufzulegen, dann alle zwei Wochen und irgendwann als Gary mal nicht konnte, habe ich den Mittwoch alleine gemacht. Da ist dann die Geschäftsleitung vom Voilà auf mich aufmerksam geworden und hat gesagt: "So, ab jetzt machst Du den EFX-Club am Samstag auch." So habe ich meine zwei bis drei Termine am Samstag bekommmen und seitdem bin ich drei Samstage im Monat hier. Das ganze ist jetzt drei Jahre her.

Du bist ja zwischendurch auch viel unterwegs, wo würdest Du sagen, war es bis jetzt für Dich ein besonderes Erlebnis, insofern das die Stimmung dich als DJ einfach total mitgerissen hat?
M: Also wo ich immer sehr gerne auflege, ist die "Ziegelei" (Groß Weeden bei Lübeck - Anmerk. d. Redaktion). Die Stimmung ist dort immer genial und die Leute lassen sehr viel mit sich machen. Soll heißen, du kannst praktisch alles spielen und sie gehen voll mit. Da wird dermaßen am "Rad gedreht", solche Stimmung habe ich echt selten erlebt. Was mir dann noch total im Gedächtnis geblieben ist, weil nach dem Motto: "Mehr geht nicht!", war eine Party in einer Basketballhalle in Barcelona. Da waren circa 8.000 Leute die haben eine Stimmung gemacht, das kannst Du Dir kaum vorstellen. Dazu muß man vielleicht noch sagen, das die da unten Mucke hören, von mehr als 165 bpm, das ist schon sehr heftig, es nervt ein bißchen nach einer Zeit und macht auch nicht wirklich Spaß aufzulegen, aber die Resonanz des Publikums ist einfach Wahnsinn. Jedes Lied wird mit Schreien beantwortet, die Arme werden hochgerissen, die Leute sind echt Dankbar fürt jede Minute die Du da auflegst. Dann die Athmosphäre, links und rechts von Dir tanzen Gogos, dauernd läuft die Licht- und Pyro Show auf Vollgas... das war richtig der Hammer.

Du sagst 160 ist Dir zu schnell, man erinnert sich da aber auch an ganz andere Zeiten, wo sich Deine eigenen Sachen in genau dem Bereich abgespielt haben.
M: Richtig, aber man entwickelt sich natürlich weiter, jeder produziert mittlerweile etwas langsamer, etwas kompatibler, man möchte eben auch das die Sachen überall gespielt werden können. Wir im Norden waren ja lange Zeit unbelehrbar was das angeht, hier konnte man auch lange noch solche schnellen Sachen spielen, gerade im "EFX-Club". Aber alles wird irgendwann langweilig und mann sollte nicht auf einem Pferd reiten, von dem man weiß, daß es bald stirbt. Nach und nach produziert man dann mal etwas anderes, schaut sich hier und da mal um und merkt das es so auch geht.

Legst Du denn auch so auf wie Du produzierst?
M: Beim auflegen halte ich mich so etwa bei 135-140 Beats auf. Das reicht bei energiereichem Trance, so Chillout-Sachen spiele ich selten, die Leute sollen eben schon richtig pumpen. Am liebsten habe ich zur Zeit so etwas düstere Sachen, nicht so ein "Pling-Plong", wo kein Mensch mehr was mit anfangen kann, aber schon mit Melodie und Fläche. Richtig monotone Sachen meide ich auch, außer sie haben wirklich soviel Power,daß man sich ihnen einfach nicht entziehen kann und dazu tanzen muß.

Der House-Schiene scheinst Du ja doch wieder entsagt zu haben, da früher auf deinen B-Seiten ja immer noch etwas langsamere Sachen dabei waren?!
M: Sicherlich spiele ich beim Warm-up, etwas früher am Abend auch noch Vocal-House, aber das beschränkt sich dann eigentlich eher auf die bekannteren Sachen, die ganzen undergroundigen Scheiben kaufe ich mir nicht, weil ich sie einfach so gut wie nie einsetzen kann. Ansonsten nehme ich mir ab und zu mal ein Tape mit Vocals auf, das ich beim Autofahren höre kann, da kommt das schon etwas geschmeidiger als das Brett das ich im EFX spiele.

Apropos, deine aktuelle Scheibe "PHUTURE VIBES" geht ja schon eine etwas härtere Gangart?!
M: Ja, wir wollten aber auch schon etwas in die Richtung machen. Das das ganze, obwohl es recht schrill geworden ist, soviel Erfolg hat, hat wahrscheinlich niemanden mehr überrascht als uns selbst.

Glaubst Du das gerade dieser, etwas aus der momentan Norm gehende Stil, den Charme der Platte ausmacht?
M: Auf jeden Fall. Wir bekommen natürlich aus unserem EDM-Records-eigenen DJ-Pool auch eine Menge Resonanz, und nachdem wir "PHUTURE VIBES" rausgeschickt hatten standen die Telefone nicht mehr still. Der Track ist einfach mal wieder was ganz anderes und das Publikum giert anscheinend nach etwas Abwechslung. Irgendwann ist es auch genug mit den immer gleichen Trance- und Pop-Scheiben.

Der Erfolg gibt Dir sicherlich Recht. Seit 26.02.99 Platz neun bei den Media Control Charts, dazu herzlichen Glückwunsch!
M: Ja, Danke, ist schon krass (lacht). Wer hätte das gedacht.

Eine Follow-Up Single ist schon geplant?
M: Ist auch schon fertig, wird noch ein bißchen härter werden und "MISTERY IN SPACE" heißen. Da werden dann drei Mixe von mir und noch drei Remixe dabei sein, von wem kann ich allerdings noch nicht sagen und sie wird so Anfang April etwa in die Läden kommen.

Die Remixe von "Phuture Vibes" werden ja auch bereits recht erfolgreich gespielt. Mit wem hattest Du da zusammengearbeitet?
M: Kai Tracid hat einen gemacht und Tom Wax einen anderen, die werden auch recht häufig eingesetzt, obwohl die meisten doch eher das Original spielen.

Wie sieht es denn da in Deinem eigenen Set aus, spielst Du sie noch selber?
M: Wenn es sich irgendwie vermeiden läßt nicht, denn ehrlich gesagt hängt sie mir mittlerweile schon ein bißchen zum Hals raus. Aber wenn Du irgendwo von einem fremden Veranstalter gebookt wirst erwarten die Leute das schon irgendwo, und dann spiel ich sie auch gerne.

Haben wir in näherer Zukunft eventuell auch mit "Mellow-Trax" als Live-Act zu rechnen?
M: Also denjenigen, die bis jetzt hier angefragt haben konnte ich nur sagen, daß es den Act "Mellow-Trax" auf der Bühne nicht gibt. Aber man kann mich als DJ buchen und das machen dieVeranstalter dann in der Regel genauso gerne, denn zumindest die Assoziation mit dem Lied ist ja gegeben. Wir hatten ja für die Club-Rotation schon etwas zusammengestellt, damit war die Polydor nicht so hundertprozentig zufrieden, das werden wir also noch etwas fortführen müssen, insbesondere im Hinblick auf "Top-of-the-Pops", was ja jetzt auf uns zukommt. Wenn das gut ankommt und Nachfrage bestehen sollte, dann werden wir uns auch über eine Agentur vermitteln lassen; das wird dann aber so aussehen das im Vordergrund wirklich nur die Tänzer stehen und ich nur zum Auflegen dabei bin.

Eine konkrete Clubtour ist also nicht in Aussicht?
M: Nein, wie gesagt, mal sehen was sich nun aus der Tanztruppe ergibt, das ganze ist ja so ein bißchen auf Ninja getrimmt und wenn das ganze gut aussieht und Nachfrage besteht wird es vielleicht eine Clubtour geben, dann aber definitiv ohne mich im Hintergrund!

Und persönlich, als DJ eine Tour?
M: Nein, also ich muß auch ehrlich sagen, ich wundere mich immer wieder über Leute die irgendwann eine Single rausbringen und dann auf große Clubtour gehen, dabei im Grunde Werbung für sich selber machen und dafür auch noch einen echten Schweinekurs verlangen, obwohl sie vorher noch nie groß aufgelegt haben. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich werde zwar im Moment auch sehr viel gebucht aus dem Süden und besonders aus dem Osten, aber ich biete mich nirgendwo direkt selber an. Ich bin jetzt bei zwei Booking Agenturen, die die ganze Abwicklung für mich machen, was echt eine Menge Arbeit spart und es ist de Fakto auch so, daß ich im Moment wirklich regelmäßig in andere Bundesländer komme was vorher nicht so der Fall war und das ist echt schön.

Wo wird man dich in naher Zukunft überall erleben können?
M: Demnächst ist die "Energy" in Zürich, die "Schweizer Mayday", darauf freue ich mich schon sehr, und dann noch viele andere Parties so im zweitausend-Gäste-Bereich quer durch Deutschland. Ich spiele dann zum Teil auch auf der "Trance-Nation-Tour" mit, in Zwickau, Aschersleben, Stuttgart und München, eventuell auch noch Ibiza auf der Abschlußveranstaltung der Trance-Nation, wo eigentlich alle DJ's die auf der Tour gespielt haben nochmal auftreten sollen.

Sicher auch eine nette Erfahrung. Deinen Resident-Posten im EFX-Club wirst Du aber weiter behalten?!
M: Natürlich, das ist meine Heimat und hier könnte ich auch gar nicht weg, selbst wenn ich wollte.

Stellt der EFX für Dich immer noch eine Herausforderung dar, oder würdest Du sagen es ist gerade wegen der vertrauten, gleichbleibenden Stimmung so schön?
M: Es ist in jedem Fall jedes Wochenende neue Spannung da. Der EFX-Club entwickelt sich natürlich auch weiter, genau wie ich selbst, und man kann sich nicht einfach ans Pult stellen und jeden Samstag stur dassselbe Programm runterreißen, dafür sind die Leute zu sensibel. Wenn du Mist machst gehen die einfach von der Tanzfläche und ignorieren Dich. Aber wenn Du sie langsam warmmachst, dann brauch es irgendwann nur die eine richtige Scheibe und es geht richtig ab. Wenn man die Leute soweit hat, dann kann man ihnen so gegen vier, halb fünf noch ein richtiges Brett vorsetzen und sie gehen sofort voll mit. Ich denke auch die gleichbleibend hohen Besucherzahlen im EFX sprechen da eine deutliche Sprache, daß wir auch irgendwo was richtig machen.

Das klingt in jedem Fall sehr begeistert. Ich hoffe und wünsche Dir, das Dich in Zukunft immer diese Begeisterung begleitet, und natürlich auch der Erfolg mit Deinen eigenen Produktionen nicht ausbleibt. Das war es schon mit unserem kleinen Gespräch. Danke schön und alles Gute.
M: Ja danke, das gebe ich natürlich gerne zurück.



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