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Des, zunächst mal vielen Dank, dass
Du Dir zu dieser späten Stunde (immerhin
04.30 morgens) noch eben etwas Zeit für
Deine Fans bei BeatCounter nimmst. Wie wir gehört
haben bist Du erst heute morgen aus den USA
zurückgekommen?
Des: Stimmt. Ich bin heute früh
aus Miami in London angekommen, in einen Bus
zum nächsten Flughafen und dann hierher
nach Lübeck!
Vom Jetlag aber kaum eine Spur würde
ich sagen, Du schienst da gerade an den Turntables
eine ganze Menge Spass zu haben?
Des: Ja, immer. Das ist auch die einzige
Methode wie man den Stress gut verkraftet, eben
indem man Spass hat soviel es geht.
Du hast Dein Set vorhin extrem zügig
begonnen, wir hatten die Plattenspieler ein
wenig im Auge und die Pitcher schienen fast
immer bis zum Anschlag im Maximum zu sein. Wer
Deinen Stil bereits kannte war deswegen vielleicht
zunächst etwas verunsichert?
Des: Das stimmt, ich habe extrem schnell
angefangen, was hauptsächlich dadurch bedingt
war, dass eigentlich alle DJs heute den Fuss
ziemlich auf dem Gas hatten und ich ungerne
mit meinem Set aus dem Rahmen fallen wollte...
Die Leute also einschlafen?
Des: Genau (lacht). Ich habe Anfangs auch
etwas progressiver aufgelegt, noch ein bisschen
mehr getrickst als sonst, auch um den Leuten
zu zeigen wofür sie hier soviel Geld hingelegt
haben!
Ich denke das wird den wenigsten entgangen
sein, zumindest tobte der Saal am Ende?
Des: Herrlich, oder?! Es gibt nichts
schöneres als diese Bestätigung von
der Crowd.
Gehst Du generell eher mit der Einstellung an
Dein Set heran, die Leute und auch die anderen
DJs zu beobachten bevor Du anfängst?
Des: Wenn ich unterwegs bin, sowieso.
Wenn man in einer anderen Stadt oder Location
ist als der "eigenen" kann man nicht
einfach so hingehen und einfach machen; Du musst
Dein Gehirn benutzen. Sicherlich würde
ich nie etwas spielen was mir nicht gefällt,
aber wenn ich nicht auf die äusseren Gegebenheiten
einginge würde ich meinen Job schlecht
machen.
Dein kurzer Zwischenstopp in Deutschland
beschränkt sich auch auf nur diesen Gig
heute Abend, wie geht es weiter?
Des: Morgen geht es schon wieder nach
Mallorca. Ich war am Samstag für einen
Auftritt in Miami, heute hier und jetzt erstmal
wieder eine ganze Zeit auf der Insel.
Neben dem Touren durch die Clubs hast Du
jetzt Dein neues Album fertig. Es heisst Welcome
to the Dance?
Des: Ja, in der Tat habe ich zwei Alben
gemacht, das eine etwas Tranciger und recht
hart, an dem anderen habe ich mit meinem alten
Freund George Morel gearbeitet. Es ist dementsprechend
housig geworden und ist primär für
den amerikanischen Markt gemacht, wo die schnelleren
Geschichten die hier bekannt sind, eher selten
laufen.
Nicht viele Produzenten lassen Ihre Projekte
parallel in Richtung House und Trance laufen,
sondern entwickeln sich eher von einem zum anderen
hin. Du hast mit Housemusic angefangen, machst
jetzt auch Trance, wie vertragen sich die Schwestern
heute bei Dir?!
Des: Ganz hervorragend. Wie Du schon
sagtest, ich habe mit House angefangen, immerhin
mische ich schon knapp 25 Jahre bei diesem Zirkus
mit. Wenn mich die Kids heute Fragen "Wie,
Du hast House gemacht? Hardhouse?", kann
ich nur sagen, "damals gab es das noch
keinen Hardhouse, es war einfach nur der Sound
der sich langsam zu House entwickelt hat".
Ich finde auch heute noch gerne zu diesen Wurzeln
zurück, wie das aktuelle Album beweist.
Als Booking-DJ spielst Du allerdings nur
Trance?
Des: Generell schon. Im BCM kommt
das allerdings auch immer ein wenig darauf an.
Wenn wir einen amerikanischen Abend machen,
mit David Morales und Erick Morillo beispielsweise,
dann bleibt der Sound die ganze Zeit housig,
ansonsten muss man einen Abend eben auch staffeln
können. Ich fange gerne mit etwas leichterer
Kost an und wenn die Leute morgens etwas mehr
brauchen, dann heisst es eben "Welcome
to the Dance"!
Die Residenz im BCM ist recht zeitintensiv,
Ihr habt jeden Abend geöffnet. Wird man
Dich trotzdem noch das eine oder andere Mal
auf dem Festland antreffen, vielleicht auf einer
der zahlreichen Paraden?
Des: Im Sommer habe ich praktisch jeden
Samstag frei, da alle möglichen Stars aus
der Szene als Gast-DJs im BCM gebucht werden
und ich glaube einige Auftritte auf dem Festland
sind durchaus drin. Im letzten Jahr habe ich
die Parade in Amsterdam "Between the Bridges"
gespielt und es war fantastisch. Eine halbe
Million Leute in den Grachten und DJ Tiesto
auf dem Wagen vor mir. Big Fun!!! Was die Paraden
in Deutschland betrifft bin ich mir gar nicht
sicher, ob ich da irgendwo dabei sein werde.
Empfindest Du es als Herausforderung auf
einer Veranstaltung dieser Größe
aufzulegen oder reichen auch 5.000 Leute im
BCM, was ja auch schon mehr als in den meisten
Clubs ist...?
Des: Es ist so, dass ich generell gerne
zusehe wenn sich die Leute gut amüsieren,
sei es im Club wenn ich auflege oder beispielsweise
auf der Love Parade, bei der ich auch nur irgendein
Zuschauer bin. Kann sein dass es auch etwas
mit meinem Alter zu tun hat, ich habe nicht
unbedingt den Ehrgeiz auf der Love Parade aufgelegt
haben zu müssen.
Als alter Hase im Geschäft hast Du schon
eine Menge Styles und Künstler kommen und
gehen sehn. Was hört Des Mitchell zu Hause
im stillen Kämmerlein für Musik und
hat sich Dein Geschmack im Laufe der Zeit stark
verändert?
Des: Eigentlich höre ich schon noch
vorwiegend die Sachen, die ich immer schon gut
fand. Ich bin ein grosser Luther Vandross Fan,
andere Soulplatten, das ist so die Richtung
die ich bevorzuge wenn ich mit meinem Hund auf
der Finca in Mallorca chille. Immer nur Boom
Boom geht auch nicht. Sicher nehme ich mir auch
reichlich Zeit neue Trance-Scheiben anzuhören,
speziell wenn ich von Freunden die neuesten
Produktionen auf den Tisch bekomme und die sie
am liebsten noch am selben Abend im Club hören
würden!!!
In diesem Moment rollt auch schon
Euer Shuttle an und bringt Euch ins Hotel. Ich
bedanke mich recht herzlich für Deine Zeit.
Des: Nichts zu danken!
Möchtest Du vielleicht noch einen
Satz an unsere User loswerden?!
Des: Ja, viel Spass in diesem Sommer,
feiert so viel Ihr könnt und vielleicht
sehen wir uns auf Mallorca ;-)).
Damit verabschieden wir Des Mitchell, den
äusserst sympathischen Rastaman, ins Hotel
und freuen uns schon auf seinen nächsten
Auftritt in Deutschland.
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