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Noch Mitte des letzten Jahres war der Name Des Mitchell eher Wenigen ein Begriff, ausser sie hatten einmal das Privileg ihn persönlich in seinem Resident-Club, dem "BCM" auf Mallorca zu erleben.
Das sollte sich aber schlagartig ändern, nachdem "Welcome to the Dance" im letzten Jahr wie eine Bombe auch in den deutschen Clubs eingeschlug und sämtliche Dance-Charts anführte. Wir trafen den blendend gelaunten Engländer auf einem seiner seltenen Gastspiele im kühlen Deutschland, dem "Alpha On Tour" in Schleswig Holstein.
Interview mit Des Mitchell vom 23.05.2001

Des, zunächst mal vielen Dank, dass Du Dir zu dieser späten Stunde (immerhin 04.30 morgens) noch eben etwas Zeit für Deine Fans bei BeatCounter nimmst. Wie wir gehört haben bist Du erst heute morgen aus den USA zurückgekommen?
Des: Stimmt. Ich bin heute früh aus Miami in London angekommen, in einen Bus zum nächsten Flughafen und dann hierher nach Lübeck!

Vom Jetlag aber kaum eine Spur würde ich sagen, Du schienst da gerade an den Turntables eine ganze Menge Spass zu haben?
Des: Ja, immer. Das ist auch die einzige Methode wie man den Stress gut verkraftet, eben indem man Spass hat soviel es geht.

Du hast Dein Set vorhin extrem zügig begonnen, wir hatten die Plattenspieler ein wenig im Auge und die Pitcher schienen fast immer bis zum Anschlag im Maximum zu sein. Wer Deinen Stil bereits kannte war deswegen vielleicht zunächst etwas verunsichert?
Des: Das stimmt, ich habe extrem schnell angefangen, was hauptsächlich dadurch bedingt war, dass eigentlich alle DJs heute den Fuss ziemlich auf dem Gas hatten und ich ungerne mit meinem Set aus dem Rahmen fallen wollte...

Die Leute also einschlafen?
Des:
Genau (lacht). Ich habe Anfangs auch etwas progressiver aufgelegt, noch ein bisschen mehr getrickst als sonst, auch um den Leuten zu zeigen wofür sie hier soviel Geld hingelegt haben!

Ich denke das wird den wenigsten entgangen sein, zumindest tobte der Saal am Ende?
Des: Herrlich, oder?! Es gibt nichts schöneres als diese Bestätigung von der Crowd.

Gehst Du generell eher mit der Einstellung an Dein Set heran, die Leute und auch die anderen DJs zu beobachten bevor Du anfängst?

Des: Wenn ich unterwegs bin, sowieso. Wenn man in einer anderen Stadt oder Location ist als der "eigenen" kann man nicht einfach so hingehen und einfach machen; Du musst Dein Gehirn benutzen. Sicherlich würde ich nie etwas spielen was mir nicht gefällt, aber wenn ich nicht auf die äusseren Gegebenheiten einginge würde ich meinen Job schlecht machen.

Dein kurzer Zwischenstopp in Deutschland beschränkt sich auch auf nur diesen Gig heute Abend, wie geht es weiter?
Des: Morgen geht es schon wieder nach Mallorca. Ich war am Samstag für einen Auftritt in Miami, heute hier und jetzt erstmal wieder eine ganze Zeit auf der Insel.

Neben dem Touren durch die Clubs hast Du jetzt Dein neues Album fertig. Es heisst Welcome to the Dance?
Des: Ja, in der Tat habe ich zwei Alben gemacht, das eine etwas Tranciger und recht hart, an dem anderen habe ich mit meinem alten Freund George Morel gearbeitet. Es ist dementsprechend housig geworden und ist primär für den amerikanischen Markt gemacht, wo die schnelleren Geschichten die hier bekannt sind, eher selten laufen.

Nicht viele Produzenten lassen Ihre Projekte parallel in Richtung House und Trance laufen, sondern entwickeln sich eher von einem zum anderen hin. Du hast mit Housemusic angefangen, machst jetzt auch Trance, wie vertragen sich die Schwestern heute bei Dir?!
Des: Ganz hervorragend. Wie Du schon sagtest, ich habe mit House angefangen, immerhin mische ich schon knapp 25 Jahre bei diesem Zirkus mit. Wenn mich die Kids heute Fragen "Wie, Du hast House gemacht? Hardhouse?", kann ich nur sagen, "damals gab es das noch keinen Hardhouse, es war einfach nur der Sound der sich langsam zu House entwickelt hat". Ich finde auch heute noch gerne zu diesen Wurzeln zurück, wie das aktuelle Album beweist.

Als Booking-DJ spielst Du allerdings nur Trance?
Des: Generell schon. Im BCM kommt das allerdings auch immer ein wenig darauf an. Wenn wir einen amerikanischen Abend machen, mit David Morales und Erick Morillo beispielsweise, dann bleibt der Sound die ganze Zeit housig, ansonsten muss man einen Abend eben auch staffeln können. Ich fange gerne mit etwas leichterer Kost an und wenn die Leute morgens etwas mehr brauchen, dann heisst es eben "Welcome to the Dance"!

Die Residenz im BCM ist recht zeitintensiv, Ihr habt jeden Abend geöffnet. Wird man Dich trotzdem noch das eine oder andere Mal auf dem Festland antreffen, vielleicht auf einer der zahlreichen Paraden?

Des: Im Sommer habe ich praktisch jeden Samstag frei, da alle möglichen Stars aus der Szene als Gast-DJs im BCM gebucht werden und ich glaube einige Auftritte auf dem Festland sind durchaus drin. Im letzten Jahr habe ich die Parade in Amsterdam "Between the Bridges" gespielt und es war fantastisch. Eine halbe Million Leute in den Grachten und DJ Tiesto auf dem Wagen vor mir. Big Fun!!! Was die Paraden in Deutschland betrifft bin ich mir gar nicht sicher, ob ich da irgendwo dabei sein werde.

Empfindest Du es als Herausforderung auf einer Veranstaltung dieser Größe aufzulegen oder reichen auch 5.000 Leute im BCM, was ja auch schon mehr als in den meisten Clubs ist...?
Des: Es ist so, dass ich generell gerne zusehe wenn sich die Leute gut amüsieren, sei es im Club wenn ich auflege oder beispielsweise auf der Love Parade, bei der ich auch nur irgendein Zuschauer bin. Kann sein dass es auch etwas mit meinem Alter zu tun hat, ich habe nicht unbedingt den Ehrgeiz auf der Love Parade aufgelegt haben zu müssen.

Als alter Hase im Geschäft hast Du schon eine Menge Styles und Künstler kommen und gehen sehn. Was hört Des Mitchell zu Hause im stillen Kämmerlein für Musik und hat sich Dein Geschmack im Laufe der Zeit stark verändert?
Des: Eigentlich höre ich schon noch vorwiegend die Sachen, die ich immer schon gut fand. Ich bin ein grosser Luther Vandross Fan, andere Soulplatten, das ist so die Richtung die ich bevorzuge wenn ich mit meinem Hund auf der Finca in Mallorca chille. Immer nur Boom Boom geht auch nicht. Sicher nehme ich mir auch reichlich Zeit neue Trance-Scheiben anzuhören, speziell wenn ich von Freunden die neuesten Produktionen auf den Tisch bekomme und die sie am liebsten noch am selben Abend im Club hören würden!!!

In diesem Moment rollt auch schon Euer Shuttle an und bringt Euch ins Hotel. Ich bedanke mich recht herzlich für Deine Zeit.
Des: Nichts zu danken!

Möchtest Du vielleicht noch einen Satz an unsere User loswerden?!
Des: Ja, viel Spass in diesem Sommer, feiert so viel Ihr könnt und vielleicht sehen wir uns auf Mallorca ;-)).

Damit verabschieden wir Des Mitchell, den äusserst sympathischen Rastaman, ins Hotel und freuen uns schon auf seinen nächsten Auftritt in Deutschland.





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